Wir gestalten Plastiken...

in Anlehnung an Hans Arp

Hinführung : Geschichte über Hans Arp mit Arbeitsauftrag...


Vor langer Zeit, vor über hundert Jahren, lebte ein Mann mit dem Namen Hans Arp. Hans Arp liebte die Natur: Steine, Wolken, Pflanzen, Muscheln und alles, was wild gewachsen oder rund geformt war. Wenn er spazieren ging, blieb er oft stehen, schaute ganz genau hin und fragte sich: „Warum sieht ein Stein nicht eckig aus? Warum wachsen Pflanzen in Kurven?“ Schon als Kind merkte Hans Arp: Er wollte nicht das malen oder formen, was man sofort erkennen kann. Er wollte Formen erfinden, die es vorher noch nicht gab. Später wurde Hans Arp Künstler. Er gestaltete Figuren aus Holz, Stein, Gips oder Bronze und manchmal sahen sie aus wie kleine Wesen aus einer Fantasiewelt. Er gab ihnen Namen wie „Träumender Stern“.


Aufgabe: Zeichnet eine Figur von Hans Arp, mit Bleistift auf euer Papier. Wie diese Figuren aussehen können, das erfahrt ihr jetzt:

Die Plastiken von Hans Arp sind ganz besondere Figuren. Wenn man sie anschaut, merkt man sofort: Sie sind nicht hart und eckig, sondern wirken weich, fast so, als könnte man sie mit den Händen weiterformen, wie Knete. Viele seiner Figuren sind rund und geschwungen. Sie machen Bögen, wölben sich nach außen oder ziehen sich wieder ein. Es gibt keine scharfen Kanten, an denen man sich stoßen könnte. Stattdessen gleiten die Formen ineinander, so als würden sie langsam, wie Blumen, wachsen. Manche Stellen sind dick und andere dünn. Oft haben die Figuren Bäuche, kleine Beulen oder runde Kugeln…

Quelle: Eigene Geschichte (Lena Schuberth)


In dieser Stunde lernen die Schülerinnen und Schüler Hans Arp kennen, einen deutsch französischen Künstler. Dabei liegt der Fokus auf seinen Figuren. Diese lassen viel Raum für kreatives Handeln, da sie sehr organisch und vielfältig sind. Besonders für die 1. und 2. Klasse eignen sich Arps Figuren gut, da sie im Vergleich zu vielen anderen Kunstwerken einfacher zu formen sind. 

Die Figur, die oben im Banner zu sehen ist, ist vom Schwierigkeitsgrad her eher einfach. Die Schülerin formte eine Art Kreis mit einem Durchbruch in der Mitte. Trotz ihrer Einfachheit wirkt die Figur sehr interessant und ansprechend. Außerdem erfüllt sie alle Kriterien, die zuvor für das Gestalten einer eigenen Plastik festgelegt wurden.

Die Schülerinnen und Schüler lernen Hans Arp genauer mit Hilfe einer Geschichte kennen. Das Schöne daran ist, dass die Kinder im zweiten Teil der Geschichte selbst aktiv werden dürfen. Sie fertigen, wie echte Künstlerinnen und Künstler, Skizzen an. In der Geschichte werden Figuren von Hans Arp beschrieben. Diese Beschreibungen geben den Schülerinnen und Schülern Anregungen, die sie anschließend in Form einer Skizze umsetzen. Eine Schülerin hat auf diese Weise die folgende Zeichnung angefertigt, ohne jemals zuvor eine Figur oder ein Bild von Hans Arp gesehen zu haben. Spannend, oder?

 

Quelle: Eigene Aufnahme

Danach werden die entstandenen Skizzen in den Morgenkreis gelegt, gemeinsam betrachtet und wertgeschätzt. Besonders spannend ist es für die Schülerinnen und Schüler zu sehen, wie die anderen Kinder diese Aufgabe gelöst haben und natürlich auch, wie Hans Arp selbst solche Formen umgesetzt hat.

Dazu habe ich einige zweidimensionale Werke von Hans Arp herausgesucht und ebenfalls in den Morgenkreis gelegt. Gemeinsam können nun Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Skizzen der Kinder und den Werken von Hans Arp entdeckt und besprochen werden.

(Hintergrundinformation: Ich habe mit meinen Schülerinnen und Schülern vorher nur zweidimensional gearbeitet, so kann man dann überleiten: L: „Aber Kunst ist ja noch viel mehr als zeichnen oder malen auf dem Papier“ Dann wird ein Foto einer Figur von Hans Arp gezeigt.)

Schön ist es, wenn ein Foto gewählt wird, auf dem der Künstler selbst zusammen mit der Figur zu sehen ist. So können die Kinder besser verstehen, welche Größe eine solche Skulptur hat. Ein Bild vom Künstler oder von der Künstlerin ist ohnehin immer wichtig, um einen persönlichen Bezug herzustellen.

Als Beispiel habe ich die Figur „Träumender Stern“ ausgewählt. Spannend war dabei, dass die erste Assoziation der Kinder eine Flamme war. Das zeigt sehr gut die Besonderheit von Hans Arps Figuren, da man in ihnen vieles erkennen und unterschiedlich deuten kann. Dieser Aspekt sollte im Unterrichtsgespräch unbedingt noch einmal aufgegriffen und betont werden. Im Anschluss werden die Werkdaten gezeigt, also zum Beispiel das Entstehungsdatum, die Größe und das Material der Skulptur.

Danach folgt ein besonders schöner Teil für die Schülerinnen und Schüler, die sogenannte Exploration, also das Erkunden des Werkstoffes. In diesem Fall ist das Material Salzteig.

Für die Exploration teilt die Lehrkraft den Werkstoff aus. Dabei werden gezielt verschiedene Sinne angesprochen. Zunächst erkunden die Kinder den Salzteig blind. Dafür schließen sie ihre Augen, bevor der Teig auf ihren Platz gelegt wird.

Die Schülerinnen und Schüler erfühlen das Material und spüren die Salzkörner im Teig. Anschließend äußern sie erste Vermutungen darüber, um welches Material es sich handeln könnte. Danach dürfen sie ihre Augen öffnen und den Werkstoff genau betrachten. Sie gehen ganz nah heran, sodass sie die Salzkörner erkennen können. Auch die Struktur des Teiges wird nun sichtbar. Die Lehrkraft fragt: „Aber was kann man damit alles machen?“

Meistens kommt als erste Antwort „kneten“. Doch was noch? Oft fällt den Kindern nach diesem Begriff zunächst nichts Weiteres ein. Hier kann die Lehrkraft anregen, indem sie vorschlägt, den Teig zu rollen. Nun sind die Kinder an der Reihe und rollen den Teig, ohne dass die Lehrperson das Vormachen übernimmt. Diese Erkundung kann anschließend mit verschiedenen weiteren Möglichkeiten fortgesetzt werden.

Dazu gehören zum Beispiel das Eindrücken des Teiges mit den Fingern, das Schneiden mit der Schere oder auch das bewusste Formen des Materials.

Auf diese Weise lernen die Kinder zunächst noch unbewusst das additive Verfahren kennen.

Zum Abschluss wird das Merkwort eingeführt: „Wir gestalten heute Plastiken.“

„Plastiken sind Objekte, die entstehen, wenn man von dem Material, wie bspw. Ton oder Salzteig, neues Material dazugibt oder wenn man es weiter formen kann.“

Nun kommen wir auch schon zur gestalterischen Aufgabe:

„Gestalte deine eigene Form aus Salzteig. Hierzu nutzt du die eben gelernten Techniken. Achte dabei auf die Kriterien, welche du bereits im Text kennengelernt hast.“

 

Die da wären:

  • Es ist eine neue Figur, die es noch nicht gibt
  • Sie ist rund (also nicht eckig und kantig) 
  • Sie ist plastisch und nicht flach

 

Die Liste kann natürlich beliebig ergänzt werden und im Text noch weitere Kriterien mit eingebaut werden, die man bei der gestalterischen Aufgabe berücksichtigt haben möchte.

Natürlich gibt es wie immer auch sehr schnelle Schülerinnen und Schüler. Für diese gibt es ein paar Differenzierungsmöglichkeiten wie beispielsweise:

  • Woran erinnert dich deine Form
  • Gib deinem Werk einen Namen
  • Überlege dir eine Geschichte dazu

 

In einem anschließenden Museumsgang werden dann die Werke der Schülerinnen und Schüler näher betrachtet und wertgeschätzt. Beim Besprechen der Arbeiten geht es nicht um Schönheit, sondern vor allem um das Feedback, ob die gesammelten Kriterien erfüllt worden sind.

 

Quelle: Eigene Aufnahme

Die Plastiken aus Salzteig lassen sich wunderbar im Ofen backen, sodass sie hart werden. Hierfür kann selbstverständlich der Ofen von der Schule genutzt werden, so geht beim Transport nichts schief und der Aufwand ist geringer ;) 

Nun aber zu den wunderbaren Plastiken ...

Kurze Anmerkungen zur Unterrichtsdurchführung und Würdigung


Als Unterlage zum Formen habe ich den Kindern jeweils ein Stück Backpapier gegeben. Zum Ende der Stunde sollten die Kinder ihr Werk in eine Ecke des Backpapiers legen, den eigenen Namen mit Bleistift daneben schreiben und das Backpapier anschließend ausschneiden. Das hatte mehrere Vorteile: Zum einen liegt beim Backen direkt Backpapier unter den Figuren, sodass sie später nicht mehr vom Boden einer Transportbox oder von einem großen Stück Backpapier gelöst werden müssen. So geht nichts kaputt. Zum anderen lassen sich die entstandenen Werke den einzelnen Kindern problemlos wieder zuordnen. Das Beschriften von Salzteig ist oft schwierig, da Namen im Teig meist nur schwer leserlich eingeritzt werden können. Bei der Arbeit mit Symbolen passiert es außerdem häufig, dass die Kinder später vergessen, welches Zeichen sie gewählt hatten. Ich selbst beschrifte die Werke nur sehr ungern, da beim Eindrücken des Stiftes leicht die Form beschädigt werden kann.

Die Unterrichtseinheit lässt sich wunderbar in der ersten Klasse durchführen. Man sollte keine zu große Angst davor haben, dass die Kinder mit der Aufgabe überfordert sein könnten. Ich war selbst unglaublich überrascht, wie viele tolle und fantasievolle Plastiken entstanden sind. Auch die Differenzierungsaufgaben, wie zum Beispiel das Vergeben eines Namens für das eigene Werk, haben unfassbar gut funktioniert.

Hier zwei Beispiele für besonders kreative Namen, die zwei Schüler ihren Plastiken gegeben haben …


"Der fliegende Turm"

(Schüler, 1a)

"Spiralgang" 

(Schüler, 1a)