Was ist eigentlich guter Unterricht?
Basiswissen
Bevor wir uns näher mit dieser Frage beschäftigen, müssen wir erst einmal eine gemeinsame Vorstellung davon haben, was eigentlich Schule und Unterricht ist.
Denn auch, wenn man täglich mit diesen Begriffen konfrontiert ist, fällt es einem schwer genau zu definieren, was diese Begrifflichkeiten im Kern bedeuten...
Auch für dein Examen kann es in vielen Fällen sinnvoll sein, wenn du erst einmal Schule und Unterricht definierst...
Der Begriff Schule nach Vita:
"Einen historisch gesellschaftlich bedinkten Lernort und Lebensraum."
Es handelt sich nämlich nicht nur um eine Ort, wo Wissensvermittlung stattfindet, sondern um einen sozialen Lernort und (Lebens)raum.
Unterricht nach Lipowski und Terhart
"Langfristig organisierte Abfolge von Lehr- und Lernsituationen"
Unterricht wird geplant und gestaltet (kein Zufall)
Was soll Schule eigentlich?:
1. Qualifikation (Vorbereitung auf einen Beruf)
2. Sozialisation und Integration (Gesellschaftliche Integration)
3. Personalisierung (Persönlichkeitsentfaltung)
4. Allokation/Selektion (Die Schule sortiert und weißt Lebenswege zu)
Coleman-Report:
Schock für die Bildungsforschung: Es ist fast egal, wie gut die Schule ist, am Ende entscheidet die soziale Herkunft über den Erfolg.
So entstand das Imput-Prozess-Putput Modell: Systematische Untersuchung des Unterrichts. Zusammenhang mit dem Können der Schülerinnen und Schüler... -> Angebot-Nutzungsmodell...
Angebot-Nutzungsmodell
Helmke sagt, dass alles, was eine Lehrkraft tut (Methoden, Aufgaben etc.) ist zunächst nur ein Angebot. Sie Lehrkraft kann so viel tun, wie es nur geht. Ob und was ein Schüler bzw. eine Schülerin nutzt, das hängt allein vom Schüler / der Schülerin ab. Abhängig ist das vom Lernpotential (Vorkenntnisse, Motivation, Intelligenz) und seinem Umfeld (Familie etc.).
Erkenntnis: Den einen guten Unterricht für alle, den gibt es gar nicht.
Unterricht ist immer eine Frage der Passung.
Ziel ist es ein vielfältiges Angebot zu schaffen, das gut zu den unterschiedlichen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler passt, welches sie gut für sich nutzen können.
Aber was sollte angeboten werden?
Klafki ...
Idee der Kategorialen Bildung: Intensive Beschäftigung mit einer Sache -> Erschließung der Welt. Gleichzeitig erschließt sich die Welt dir, weil du dich als Teil dieses Systems begreifst (Doppelseitige Erschließung). Ziel. Inhalte finden, die eine Bedeutung über sich selbst hinaus haben. (Relevanz des hier und jetzt, aber auch zukünftige Relevanz). (Epochaltypische Schlüsselproblem: Man soll sich im Unterricht den großen Fragen unserer Zeit stellen. Umwelt//Krieg und Frieden//Soziale Ungerechtigkeit etc. Wichtig ist hier vor allem das kritische Hinterfragen. Und die Befähigung der Mitgestaltung.
Konstruktivismus:
Der Konstruktivismus geht von der psychologischen Annahme aus, dass wissen nicht einfach übergeben werden kann, sondern dass jeder Lernende es aktiv im eigenen Kopf neu erschafft (konstuiert). Die Rolle der Lehrkraft verändert sich dadurch vom Wissensvermittler zum Lernprozessberater.
Vertreter, wie Kerstin Reich fordern eine starke offenheit. SIe sprechen von Ko-Konstruktion:
Die Lerhkraft gibt Impulse und Strukturen (Instruktion), innerhalb derer die Schülerinnen und Schüler ihr Wissen konstruieren können.
Weniger ein Gegensatz, als eine andere Gewichtung.
Kritik:
Was ist mit den Kindern die klare ansachen und direkte instuktion brauchen?!
Helmke selbst hat darauf hingewiesen dass die empirische Grundlage für die Überlegenheit rein konstruktivistischer Methoden eher dünn ist.
Gerade für Leistungsschächere Schülerinnen udn Schüler, sind strukturierte Lehrergeleitete Phasen (direkte Instruktionen etc.) oft deutlich effektiver.
10 Merkmale guten Unterrichts (Helmke und Weinert)
Das ist sozusagen die praktische Übersetzung dieser dargestellten Theorien.
1. Fundament: Effiziente Klassenführung (Kunin: Overlapping: Die fähigkeit mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. ) und ein lernförderliches Unterrichtsklima
2. Klarheit und Strukturierung, sowie die vielfältige Motivation. (Roter Faden.... + Motivation (insb. intrinsische Motivation (Interesse und Neugier) ist der Motor.
3. Umgang mit Heterogenität: Schülerorientierung, Adaptivität und vor allem die Förderung von aktiven selbst gesteuertem Lernen (kognitive Aktivierung).
4. Methodenvielfalt, intelligentes Üben (variierende Formate, verteilung über die Zeit, Lebensweltbezug (Klafki) -> das üben soll als sinnvoll erlebt werden), klare leitungsorientierung
Wygodskis Idee der Zone der proxymalen Entwicklung
Fordern ohne zu Überfordern
Konzept: kognitive Apprentenship.
1. Vormachen und dabei laut denken (Modelling)
2. Schüler/Schülern erprobt selbst + Gerüst (Tippkarte) (Scoffolding)
3.Langsames zurückziehen, bis er es alleine kann (Fading)
Mühlhausen: Kritik
Mühlhausen warnt vor dieser unerfüllbaren Ilusion... Wenn man die Checkliste der Merkmale guten Unterrichts abarbeitet, hat man nicht gleich guten unterricht.
Unterricht ist hochkomplex, dynamisch und nicht vollständig planbar. Diese Merkmale sind orientierung. EIn professionales Ideal.
Man wird nie alle 10 Merkmale in jer einzelnen stunde komplett anwenden können.
Visibel Learning Theorie nach John Hattie
Lehrer-Schülerbeziehungen und die Bedeutung von Feedback.
Kritik: Reduzierung von Bildung auf messbare kognitve Leistung. Soziale und Emotionale Lernziele, Persönlichkeitsentwicklung etc. fällt bei ihm unter den Tisch. Bildung ist eben mehr, als das, was im Test ankommt.
Das Wissen um diese ganze Theorie ist noch lange nicht der Schlüssel zum Erfolg...
Ernüchternde Ergebnis in verschiedensten Studien. IGLU TIMSS etc.
Die Befunde sind alamierend und relativ konstant.
Kernproblem: Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom Sozioökonimischen Status und dem Migrationshintergrun der Eltern.
IGLU: EIn viertel der Viertklässler haben nicht die lesekompetenz erreicht, um in der weiterführenden Schule erfolgreich zu sein.